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Europäische Schulpartnerschaften

LEONARDO DA VINCI Partnerschaftsprojekt 2007 - 2012
"Moderne Technologien und Datenkommunikation in Kraftfahrzeugen"

Bericht zum Projektabschluss

Nach 5 Jahren wurde das im Oktober 2007 in Lübeck gestartete Gesamtprojekt mit unseren Partnerschulen in Dänemark, Norwegen und Polen in Gdansk erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt 80 Auszubildende/Schüler und über 20 Lehrer waren an der Planung und Durchführung von 8 Einzelprojekten an den Partnerschulen in Dänemark, Deutschland, Norwegen und Polen beteiligt.
Die Gesamtkosten in Höhe von ca. 125.000 € wurden maßgeblich durch die Europäische Union im Rahmen der LEONARDO DA VINCI Mobilitäts- und Partnerschaftsprogramme als auch durch die Possehl-Stiftung und andere nationale Förderquellen gedeckt werden.

Unsere polnische Partnerschule "ZESPOL-SZKOL-SAMOCHODOWYCH" in der schönen Hansestadt Danzig/Gdansk war vom 04. bis 23.März 2012 Gastgeber des letzten Schülerprojektes mit dem Thema " Datenkommunikation über CAN- und LIN-Bus". Dazu hatten die polnischen Kollegen mit ihren Schülern vier Experimentierstände vorbereitet, die dann im einwöchigen Projektunterricht mit 20 Schülern und 6 Lehrern aus 4 Nationen mit VW-Standardbauteilen komplettiert und getestet wurden.
An der Konzeption und Entwicklung dieses exzellenten Lehr- und Lernmittels, das jetzt an jeder Partnerschule im regulären Unterricht eingesetzt wird, waren maßgeblich unsere Kollegen Oliver Jeske und Markus Gohlke beteiligt. Ihrem großen und nicht selbstverständlichen Engagement im Projekt, neben dem täglichen Unterricht, gilt nicht nur unser Dank, sondern auch der Dank der Kollegen unserer Partnerschulen. Mit dem neuen Experimentierstand, auf dem eine microcontrollergestützte Scheibenwischersteuerung mit Regensensor und Wischermotor zusammen mit mehreren Steuergeräten aufgebaut ist, können exemplarisch Signale auf den LIN- und CAN-Bussystemen verfolgt und analysiert werden. Mit Hilfe von Fehlersimulationen sind typische Störungen dargestellbar, die dann von den Schülerinnen und Schülern zu diagnostizieren und zu beheben sind.


Das Produkt des letzten Projektes : der Experimentierstand LIN-CAN-Bus


Das funktionierte in der ersten Projektwoche, in der das gemeinsam von den Kollegen der Partnerschulen erarbeitete Unterrichtsmodell mit fachtheoretischen und hohem fachpraktischen Anteil erprobt wurde, außerordentlich zufriedenstellend. Die Auszubildenden bzw. Schüler waren sehr motiviert und engagiert. Die Verständigung auf Englisch klappte bemerkenswert gut. Komplexere fachspezifische Verständnisprobleme konnten die begleitenden Lehrkräfte umgehend in der jeweiligen Muttersprache lösen.

Ein voller Unterrichtserfolg auf hohem Niveau, der dann am letzten Projekttag durch die Präsentation des Experimentierstandes mit Erläuterung der komplexen Funktionen durch die Schüler der 4 Nationen in englischer Sprache noch getoppt wurde. Bemerkenswert sind auch noch die beobachteten Arbeitsweisen in den 4 nationalen Gruppen, die durch unterschied-liches Arbeitstempo aber auch durch unterschiedliche Arbeitsqualität gekennzeichnet waren. Erfreulicherweise fanden "unsere Jungs" für ein gut organisiertes und systematisches Vorgehen und für die übersichtliche und saubere Installation viel Anerkennung, obwohl sie nicht die Schnellsten waren.

Nach Abschluss der ersten Unterrichtswoche absolvierten die dänischen, deutschen und norwegischen Auszubildenden/Schüler ein kurzes Betriebspraktikum in einschlägigen Kfz-Servicewerkstätten. Auf Grund schlechter Auftragslage, infolge der für polnische Verhältnisse sehr hohen Reparaturkosten, konnten sie ihre fachpraktischen Kenntnisse nur unzureichend anwenden, was ein wenig auf die Stimmung drückte. Aber die Erfahrung, dass Vollbeschäf-tigung nichts Selbstverständliches ist und von guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt, ist ähnlich wertvoll, wie die ersten beruflichen Erfahrungen im Ausland unter den erschwerten Bedingungen einer Fremdsprache. Die Erkenntnis, schon mit dem jetzigen Stand an Fachwissen und Fertigkeiten sowie lückenhaften englischen Sprachkenntnissen ohne größere Probleme zurecht zu kommen, hat die berufliche Mobilität deutlich gefördert. Die Rückmeldungen der Projektteilnehmer sind durchweg positiv und fast alle bekräftigen, dass sie sich später auch eine Tätigkeit im Ausland vorstellen können.

Erstmalig waren zum Projektabschluss auch zwei Ausbildungsmeister mit angereist, um sich persönlich ein Bild von unseren Austauschprojekten zu machen. Die freundschaftlich kollegiale Atmosphäre unter den Lehrern, Auszubildenden und Schülern aus vier Nationen, aber insbesondere die Qualität der Ergebnisse haben sie überzeugt, dass die Projekte einen hohen Wert für die berufliche als auch persönliche Entwicklung ihrer Auszubildenden haben. Angesicht der Probleme, die wir mit manchen Betrieben hinsichtlich der Freistellung von Auszubildenden für mehrwöchige Projekte haben, bleibt zu hoffen, dass diese positiven Erfahrungen in den Betrieben und Innungen kommuniziert werden und dass auch zukünftig Ausbildungsmeister in Projekte eingebunden werden.



... und noch ein paar persönliche Worte zum Abschluss als Koordinator

Nach nunmehr 23 Jahren und fast 40 durchgeführten bi- und multilateralen Austauschprojekten mit Partnerschulen in Dänemark, Frankreich, Litauen, Norwegen und Polen beende ich jetzt im 4. Ruhestandsjahr auch meine Aufgabe als "Koordinator für Europäische Schulpartnerschaften und Projekte" mit großer Zufriedenheit und Dankbarkeit. Dankbarkeit für die bereichernde kollegiale Zusammenarbeit mit vielen Kollegen aus verschiedenen Abteilungen, ohne deren Engagement die Durchführung der Projekte nicht möglich gewesen wäre. Dankbarkeit auch für die vielen schönen Erlebnisse, die Gastfreundschaft und die freund-schaftlichen Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen der Partnerschulen im europäischen Ausland. Zufriedenheit über die Entwicklung von anfänglich rein informellen bilateralen Besuchsprojekten im Klassenverband hin zu multilateralen Arbeits- und Berufsbildungsprojekten für Lehrkräfte und Auszubildende bzw. Schüler. Die thematische Eingrenzung auf neue Technologien und auf Techniken zur Schonung von Ressourcen sowie das Grundkonzept, bei der Erarbeitung von neuen fachlichen Inhalten und deren unterrichtlicher Umsetzung mit den Partnerschulen zusammenzuarbeiten und entwickelte Unterrichtseinheiten gemeinsam mit Auszubildenden und Schülern aus verschiedenen Nationen zu erproben, hat sich außerordentlich bewährt. Dass dabei Lehr- und Lernmittel entwickelt und mit Schülern gebaut wurden, die fortan im Unterricht an allen Partnerschulen genutzt werden, ist richtungsweisend für eine effektive und zugleich effiziente berufspädagogische Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.
Gefreut habe ich mich über zahlreiche positiven Rückmeldungen von Auszubildenden und Kollegen zum Erfolg der Projekte, die nicht nur ein motivierender "Blick über den Tellerrand" waren und nachhaltig die berufliche Mobilität gefördert haben. Wichtiger waren für mich immer der spürbare Abbau von Vorurteilen und Schwellenängsten und das Erleben internationaler freundschaftlich kollegialer Zusammenarbeit und Verlässlichkeit in einem friedvollen Europa mit offenen Grenzen. Wenn ich daran denke, dass mein Vater noch im ersten Weltkrieg gegen die Franzosen und im zweiten Weltkrieg im Osten Europas kämpfen musste und dass ein verheerender Nationalismus über Jahrzehnte unendliches Leid und Hass in Europa verbreitet hat, ist es ein sehr schönes Gefühl erlebt zu haben, wie heute Schüler und Lehrkräfte der europäischen Partnerschulen wie selbstverständlich zusammen arbeiten, einander verstehen, miteinander und voneinander lernen, gemeinsam Erlebnisse teilen, sich miteinander freuen und lachen. Eine vornehmliche Aufgabe jetziger und zukünftiger Lehrergenerationen ist es, unseren Schülern immer wieder deutlich zu machen, dass diese befriedende Gemeinsamkeit in Freiheit mit offenen Grenzen eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ständiger politischer Wachsamkeit und mutigem Einsatz für demokratische Rechte bedarf.

Der Titel "Europaschule" verpflichtet uns dabei in besonderer Weise und ich denke, dass wir mit unseren Projekten auf einem guten Weg sind, den Intentionen der großen Förderprogramme der Europäischen Union zu entsprechen:

  • einen Beitrag zu einem nationenübergreifenden hohen Bildungsstand zu leisten,
  • die berufliche Mobilität bereits in der beruflichen Erstausbildung zu steigern und
  • die Entwicklung einer europäischen Identität bei unseren Schülerinnen und Schülern als auch ihren Lehrkräften zu befördern.

In diesem Sinne möchte ich alle Kolleginnen und Kollegen ermutigen, Projekte zu initiieren, an europäischen Projekten mitzuwirken und die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen des Arbeitskreises Europaschule, allen voran meinen Nachfolger Andreas Frenz, nach Kräften zu unterstützen!

Helmut Braasch



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