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BERND SAXE

Bürgermeister der Hansestadt Lübeck

Bernd Saxe, geboren am 30. März 1954 in Ibbenbüren, Westfalen. Er besuchte von 1969 bis 1971 die Höhere Handelsschule und absolvierte von 1972 bis 1975 eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Firma Siemens.
Von 1976 bis 1977 leistete Herr Saxe seinen Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt.
In den Jahren 1977 bis 1980 folgte ein Studium an der HWP, Hochschule für Wirtschaft & Politik, mit dem Abschluss als Diplom-Sozialwirt. Seine Berufstätigkeit begann Herr Saxe 1980 bis 1983 als Bundesvorsitzender des Jugendwerks der Arbeiterwohlfahrt. Von 1983 bis 1992 bekleidete er das Amt des Geschäftsführers des SPD-Kreisverbandes Lübeck.
1992 wurde Herr Saxe zum Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein gewählt. Im Mai 2000 erfolgte die Wahl zum Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Herr Saxe ist Mitglied der SPD (seit 1972), der Gewerkschaft (seit 1972 zunächst IG Metall, dann HBV und jetzt Ver.di) und der Arbeiterwohlfahrt (seit 1976).

Herr Saxe gehörte dem Parteirat der SPD an (1998-00) und ist Mitglied des Kreisvorstandes der SPD-Lübeck.

Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz

Bernd Saxe

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe referierte der Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, Herr Bernd Saxe, vor rund 150 Schülerinnen und Schülern des Fachgymnasiums, der Berufsoberschule, der Fachoberschule und der Fachschule.
Abschließend beantwortete er Fragen unserer Schülerschaft zum Thema "Wertewandel".
Als erstes Beispiel für den Wertewandel in unserer Gesellschaft nannte Herr Saxe das schwindende "Nationale" im Vergleich zur heutigen Internationalität, weiterhin die geringer gewordene Bedeutung religiöser Rituale und der Gemeinwohlorientierung. Letztere habe sich in den vergangenen 20 Jahren sehr stark hin zu Individualismus und Egoismus gewandelt.
Werte, die wir uns bei allem Wandel jedoch bewahren sollten, seien vor allem die Freiheit in unseren Grundwerten, wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder auch Freiheit vor staatlicher Willkür.
Der Wert der Gerechtigkeit hingegen sei schon viel schwieriger in seiner Bedeutung für uns alle zu definieren, werde er doch individuell sehr unterschiedlich hinterfragt: "Fühle ich mich gerecht behandelt?" "Ist mein Lohn gerecht?"
Am Beispiel der Solidarität erörterte Herr Saxe die hohe Bedeutung der Possehl-Stiftung für die Hansestadt Lübeck: Dass aus privatem Vermögen Gemeinwohl entstehe, sei sehr typisch für unsere Stadt, denn gerade in Zeiten, in denen Egoismus wieder größere Bedeutung gewinne, sei die Solidarität als zentraler Wert unbedingt erhaltenswert.
Am Beispiel der aktuell im Irak entführten Geisel Susanne Osthoff veranschaulichte Saxe die fließende Grenze zwischen Zivilcourage und Leichtsinn und leitete so über zur Toleranz, die nicht nur in Sonntagsreden gefordert werden dürfe, sondern sich auch ganz praktisch im Alltag bewähren müsse. Vor diesem Hintergrund sollte man sich angesichts aktueller Ereignisse in Lübeck die Frage stellen, ob man Jugendlichen nicht-deutscher Herkunft den Zutritt zu Diskotheken verwehren dürfe.
Der Wertewandel in der schwindenden Bedeutung von gesellschaftlicher Solidarität und der zunehmenden Akzeptanz individueller Ziele werde gerade am Beispiel "Massenarbeits-losigkeit" greifbar. Mit dem Verweis auf einen norwegischen Wissenschaftler: "Eine Gesellschaft, die keine Arbeitslosigkeit will, hat auch keine", analysiert Saxe den Rückgang von Solidarität als diskussionswürdigen Aspekt. Vor diesem Hintergrund seien die enormen Einkommen in den Führungsetagen der Industrie nicht gerechtfertigt, ebenso wenig jedoch Sozialleistungsmissbrauch hinnehmbar. Beides sei unrechtmäßige Bereicherung am Allgemeinen.
Werte dürfe man nicht nur in ihrer Akzeptanz von den anderen fordern, diese müssten vielmehr von jedem einzelnen von uns selbst angenommen werden, so lautete die Schlussthese des Referates. Die abschließend von unseren Schülern gestellten Fragen orientierten sich u.a. an Themen, wie: Armut in Lübeck, die aktuelle Entführung von Frau Osthoff im Irak, die Benachteiligungen von Schülern nicht-deutscher Herkunft an Gymnasien, die geplanten Studiengebühren und die finanziellen Kürzungen in unserem Bildungssystem.
Herr Saxe beendete die Veranstaltung mit dem Verweis auf die Leere öffentlicher Kassen, welche manchmal auch unpopuläre Prioritätensetzungen nach sich zöge.

Nicht zuletzt dem inhaltlich höchst anschaulichen und frei gehaltenen Vortrag Herrn Saxes war es zu verdanken, dass unser Gast sich bis zur letzten Minute der ungeteilten Aufmerksamkeit der anwesenden Schülerschaft erfreuen konnte.

Lübeck, 9. Dezember 2005

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