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DR. HILMAR GÖTZ

(Lübecker Tafel)

KERSTIN BEHRENDT

(Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Lübeck e.V.)

TORSTEN LENGSFELD

(Marli GmbH)

Kerstin Behrendt, geb. 1958 in Lübeck. Nach dem Abitur 3 Semester Architekturstudium an der Fachhochschule Lübeck, danach Studium an der Fachhochschule Hildesheim, Fachbereich Sozialwesen mit dem Abschluss Diplom Sozialpädagogin. Erste berufliche Erfahrungen als Sozialpädagogin erwarb Sie an einer Sonderschule im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Danach arbeitete Sie neun Jahre in der beruflichen Bildung. Ihre Schwerpunkte waren dabei die Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen und später, bei der Handwerkskammer Lübeck, die Begleitung und Beratung von alleinerziehenden Frauen während der Umschulung in gewerblich-technische Berufe. Seit 1996 ist Kerstin Behrendt bei der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Lübeck e.V., tätig, zuerst als Sozialpädagogin im AWO-Frauenhaus, dann als Fachberaterin für die Offene Altenhilfe und seit 2005 außerdem als Geschäftsführerin des Kreisverbandes.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit engagiert sie sich im Arbeitkreis Ehrenamt der Freien Wohlfahrtsverbände in Lübeck, in der Freiwilligen-Agentur Lübeck, in städtischen Gremien, die sich mit dem Thema Ehrenamt beschäftigen und organisiert mitverantwortlich die 1. Lübecker Ehrenamtmesse.

Nächstenliebe als gesellschaftlicher Wert

Dr. Hilmar Götz (Lübecker Tafel),
Kerstin Behrendt (Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Lübeck e.V.),
Torsten Lengsfeld (Marli GmbH)

Dr. Hilmar Götz stellt die Organisation und das Aufgabenfeld der Lübecker Tafel vor, deren ca. 120 Mitarbeiter ehrenamtlich jährlich rund 650 Tonnen Lebensmittel für bedürftige Mitbürger sammeln. Die engagierten Helfer möchten etwas Sinnvolles tun, indem sie rund 1800 Menschen wöchentlich helfen, ihnen eine Freude machen und mit dazu beitragen, genießbare Ware vor dem Wegwerfen zu bewahren. Die Tätigkeit der Mitarbeiter der Lübecker Tafel sei gekennzeichnet durch die Werte der Solidarität, der Verantwortung und der Achtung der Menschenwürde. Man opfere Freizeit ohne Gegenleistung und übernehme Verantwortung mit einem hohen Grad an Verlässlichkeit. Die Achtung vor der Menschenwürde sei der wichtigste Wert, so Dr. Götze, denn man sichere die Versorgung von Menschen mit Lebensmitteln, die man bei den Essensausgaben respektvoll und freundlich, wie eingeladene Gäste, empfange und bediene. Kerstin Behrendt erzählt von ihrem beruflichen Werdegang, der schon früh und vorwiegend durch Sozialarbeit gekennzeichnet war. Nach einem historischen Rückblick auf die Arbeiterwohlfahrt und einer Erläuterung ihrer Organisationsform berichtet Frau Behrendt vor allem über die ehrenamtliche Mitarbeit, die sich schwerpunktmäßig auf die Jugendarbeit und die offene Altenhilfe konzentriere. So betreue man mehrere Jugendzentren, organisiere Sommerfreizeiten für Kinder und unterstütze ältere Menschen durch eine Vielzahl interessanter Freizeitangebote. Die Werte, welche die Organisation vertrete, seien -so Frau Behrendt- fast deckungsgleich mit solchen der Lübecker Tafel: Solidarität, Gleichheit (im Sinne von Gleichberechtigung von Mann und Frau) oder Gleichheit (ohne Unterscheidung der Herkunft), Freiheit (im Sinne von freier Berufswahl), Toleranz (gegenüber anderen Lebensformen und Einstellungen) und Gerechtigkeit. Frau Behrendt beendet ihre Ansprache mit dem Appell: "Seien Sie ehrenamtlich tätig, damit sich das soziale Klima in unserer Stadt zu verbessert." Torsten Lengsfeld hat zunächst eine Ausbildung zum Erzieher absolviert, bevor er Musik und Theologie studierte, um sich daran anschließend in der Marli GmbH selbst zu verwirklichen, wie er sich selbst ausdrückte, denn genau dort könne er etwas bewegen. Er rüttelt die jungen Zuschauer auf mit durchaus provokativ gemeinten Fragen: "Worum geht es bei Ihnen?", "Was ist Ihnen wichtig?", Spontan berichtet er über Diskussionen in den Medien in Bezug auf Werte. "Armut verursacht Behinderung!", so eine seiner Thesen. "Es ist eine nach wie vor steigende Zahl an Kleinkindern aus sozial schwachen Familien wahrzunehmen, bei denen Störungen diagnostiziert werden, die sich im gesellschaftlichen Kontext als Behinderung auswirken. Schon hier wird die Zukunft des Individuums definiert, werden Möglichkeiten der Entwicklung benannt." Er lenkt die Aufmerksamkeit darüber hinaus auf Vereinsamung, Gewalt, geistige und soziale Verantwortung. Er berichtet sehr anschaulich von einem Nepal-Aufenthalt und seinen dortigen Begegnungen mit armen und leidenden Menschen, seinen eindrucksvollen Erfahrungen, die er an die Schülerinnen und Schüler weitergeben möchte. Seine Forderung des "Miteinander Gehen Müssens", da ein Überleben nur so möglich sei, mündet in einer Kritik an einem Paradigmenwechsel hierzulande, wonach der Mensch jetzt unter semantischem Aspekt ein "Objekt der Teilhabe" sei und nicht mehr ein "Subjekt der Fürsorge". Er betont, dass es in der Arbeit der Marli GmbH immer voraussetzungslos um den "Menschen an sich" gehen würde. Er sensibilisiert seine Zuhörer für eine genaue Betrachtung der Begriffe "Mensch" und "Wert" in ihrer Beziehung zueinander: "Mensch" und "Wert" haben überhaupt nichts miteinander zu tun! "Was sind Sie wert?", "Lässt sich einem Menschen überhaupt ein Wert zuordnen?" Nein, der Mensch ist an sich und somit bei aller Verschiedenartigkeit doch gleich. Der Vortrag endet mit einer hohen Wertschätzung an die jungen Zuhörer: "Sie macht aus, was Sie hier heute sind und als Energie an andere hier und heute senden. Wir haben heute hier zusammen gearbeitet und etwas bewegt."
Das nachfolgende Gespräch zwischen den drei Referenten und dem jungen Publikum problematisierte unter anderem die Motivation zum Ehrenamt und die Vereinbarkeit zwischen einem solchen Engagement und dem Privatleben.

Lübeck, 19. November 2007

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