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KARL LUDWIG KOHLWAGE
Bischof em

Karl Ludwig Kohlwage, geboren 1933 in Salzgitter-Salder, in Lübeck aufgewachsen. Nach dem Abitur am Katharineum Theologiestudium in Hamburg, Heidelberg und Chicago. Vikar in einer deutschstämmigen Gemeinde in Kansas, danach in Lübeck. 10 Jahre Pastor in Flensburg, 20 Jahre Probst im Kirchenkreis Stormarn, 1991-2001 Bischof für Holstein-Lübeck in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und Vorsitzender der Kirchenleitung. Vorsitzender des Diakonischen Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Mitglied im Rundfunkrat und im Vorstand der Hamburgischen Anstalt für Neue Medien, Mitglied der Zuwanderungskommission der Bundesregierung.

POSITIVE SIGNALE AN DIE JUGEND GEBEN

Bischof Karl Ludwig Kohlwage

Vor 260 Schülerinnen und Schülern begann Bischof Kohlwage seine Ausführungen mit einem Geständnis über seine persönlichen Eindrücke zum Problem Werteverfall.

Begann der katastrophale Werteverlust während der Nazi-Diktatur, wo mit den Begriffen Werte, Moral, Treue, Pflichtbewusstsein und Tapferkeit Schindluder getrieben wurde? Geht mit der gesellschaftlichen Entwicklung immer eine Wertediskussion einher? Wie reagiert die Gesellschaft, was ist erlaubt, was verboten, welche Handlungen sind aus moralischen und kirchlichen Beweggründen nicht angezeigt? Zu all diesen Fragestellungen gibt es im menschlichen Zusammenleben keine klare, eindeutige Meinung. Auch die Kirche kann diese Orientierungsdefizite nicht ausgleichen. Trotzdem müssen aus seiner Sicht Grundwerte, wie die Bewahrung der Schöpfung, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Umweltbewahrung, Verantwortung, Menschenwürde, Solidarität, Glaube und andere moralische Ansprüche, im menschlichen Zusammenleben zentrale Bedeutung behalten.

Aber gerade hier zeigt das tägliche politische Geschäft widersprüchliche Aussagen: Der Asylanspruch wurde aufgeweicht, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Kriege und Terror schüren ebenfalls Ängste. Die zunehmend menschenersetzende Technisierung führt zu Orientierungslosigkeit, Gentechnik und Verwahrlosung gegenüber der Natur erschweren eine positive Zukunftsmeinung.

Herr Kohlwage betonte dann insbesondere die Rolle der Kirchen und hob deren Leistungen bei der Werteerhaltung hervor. Er betonte aber gleichzeitig, dass die Kirchen nicht alle Probleme und Aufgaben zur Bewältigung dieser Missstände beeinflussen und beheben könnten. Sie bemühten sich redlich und auf vielen Feldern, z. B. mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.

An die älteren Menschen und besonders an die Lehrerinnen und Lehrer appellierte er: "Ihr habt die Verpflichtung zu verhindern, dass den Jugendlichen signalisiert wird: 'Ihr seid überflüssig' ". Insbesondere die älteren Menschen seien die Wertegeber und nur durch glaubhaftes, ehrliches und überzeugendes Vorleben erkenne die Jugend den Sinn der Werte, der Würde und der moralischen Grundsätze.

Lübeck, 10. Februar 1998

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