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MICHAEL SOMMER

Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes
und Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes

Seit Mai 2002 ist Michael Sommer Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes und seit Juni 2010 Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Der "studierte Malocher" wurde in der Postgewerkschaft groß und war maßgeblich an der Gründung von ver.di beteiligt.

Den am 17. Januar 1952 in Büderich geborenen Michael Sommer verschlug es früh nach Berlin, wo er seine Kindheit verbrachte und schließlich 1971 bis 1980 sein Politologiestudium an der Freien Universität absolvierte. Um sich das Studium finanzieren zu können, arbeitete er im gleichen Zeitraum nebenbei bei der Post als Mitarbeiter in der Paket- und Eilzustellung.

Auszug aus dem Lebenslauf

  • 1980 Dozent im Bildungszentrum der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) in Gladenbach
  • seit 1981 Mitglied der SPD
  • 1988-1993 Hauptabteilungsleiter Zentrale Angelegenheiten beim Hauptvorstand der DPG
  • 1997 Stellvertretender Vorsitzender der DPG
  • seit 2001 stellvertretender Bundesvorsitzender der Vereinten Dienstleistungs-gewerkschaft "ver.di"
  • 2002 Wahl zum Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes
  • 2010 Wahl zum Präsidenten des Internationalen Gewerkschaftsbundes

"Prekäre Arbeit ist die Geißel der arbeitenden Menschen"

Michael Sommer

Unser zweiter diesjähriger Referent ist Michael Sommer. Er stellt sich vor in seiner neuen Rolle als aktuell gewählter Präsident des internationalen Gewerkschaftsbundes und globale Stimme der arbeitenden Menschen auf der ganzen Welt. Überall seien Menschen abhängig beschäftigt, ja sogar in Zwangsarbeit (z.B. Philippinen, Kolumbien) oder äußerst prekär beschäftigt oder gar ganz ohne Arbeit. Alleine durch die Finanzkrise seien 24 Mill. Menschen arbeitslos geworden, problematisch die Beschäftigungssituation vor allem für junge Menschen. In Südafrika seien sie nach der Schule in den folgenden 10 Jahren chancenlos, einen Beruf ausüben zu dürfen. Auch in Deutschland befänden sich 397.000 junge Menschen in einer "Warteschleife" zum Beruf. Weitere große, von Arbeitslosigkeit betroffene Gruppen bildeten die Frauen; weltweit entweder massiv ausgebeutet oder ohne jede Chance auf Arbeit und auch als erste bei wirtschaftlichen Problemen wieder aus dem Arbeitsleben hinausgedrängt.
Der weltweite Trend zu immer mehr prekären Arbeitsverhältnissen sei inzwischen auch in Deutschland angelangt. In den 60er Jahren hätten die Gewerkschaften viel mehr durchsetzen können, doch seit der Massenarbeitslosigkeit sei man immer mehr unter Druck geraten, sodass die Durchsetzungskraft auch derjenigen, die noch Arbeit hätten, weiter sinke. So leisteten in Deutschland etwa 2,5 Mill. Menschen prekäre Arbeit, könnten von ihrer Vollzeitbeschäftigung vielfach kaum noch leben. Als Beispiele für diese fatale Entwicklung nennt Sommer Verkäuferinnen oder Floristinnen, - eine generell äußerst unbefriedigende, ja sogar entwürdigende Situation für diese Menschen. Wer seine Arbeit hingegen gänzlich verloren habe, sei noch stärker in seiner Würde gefährdet, denn er könne sich nicht mehr selbst verwirklichen, sein Leben kaum noch schöpferisch gestalten und auch nicht mehr für sich selbst sorgen. Diese verloren gegangene Würde gelte es den Menschen zurückzugeben; es sei nicht in Ordnung, den Reichtum von Finanzspekulatoren zu bewundern im Vergleich zu denjenigen, die mit ihrer eigenen Hände Arbeit etwas erschafften.

Wie bei jeder Veranstaltung "Forum Emil-Possehl-Schule" wurde der Vortragsraum von den in unserem Hause ausgebildeten Floristinnen und Floristen in der entsprechenden Thematik mit Blumenschmuck versehen. Eine junge Auszubildende erläutert Bedeutung und Geschichte der Nelke als Symbol der Arbeiterbewegung. Die aufstrebenden Blätter repräsentierten die kraftvolle Rolle der Gewerkschaft.

Im Anschluss an Sommers völlig frei vorgetragene Gedanken orientieren sich die Schülerfragen an aktuellen Problemen, wie Bildung und der Gefahr der drohenden Schließung der Lübecker Uni-Klinik, dem demografischen Wandel und seinen Auswirkungen auf die Gewerkschaften, jedoch auch an der Person Michael Sommer, indem man sich interessiert für seinen persönlichen Werdegang und seine Prägungen. Michael Sommer antwortet spontan und anschaulich: Der Kauf eines Mercedes M-Klasse sei in Deutschland aus dem Verdienst der eigenen Hände Arbeit kaum möglich; "Geiz ist geil" das Schlimmste, was er je gehört habe; Arbeit sei ein hohes Gut, ein Wert, der auch wertvoll bezahlt werden müsse.
Am Ende zeigt Michael Sommer unseren Schülerinnen und Schülern konkrete Wege auf, wie man sich als junger Arbeitnehmer gewerkschaftlich engagieren und seine Interessen im Betrieb wahrnehmen kann.

Unser Referent hat massive Nöte in der deutschen und auch weltweiten Arbeitswelt aufgezeigt und aufgeschreckt hinsichtlich der großen Gefahren für ein künftiges, würdevolles Arbeiten der Menschen. Eine sehr nachdenkliche und ernst gewordene stille Schülerschaft spendet massiven Beifall.

Lübeck, 1. Juli 2010