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MURAT KAYMAN

Rechtsanwalt

Murat Kayman, moslemischen Glaubens, geboren 1973 in Lübeck. Nach dem Abitur in Lübeck folgte ein Studium der Rechtswissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel mit dem Abschluss der Ersten Juristischen Staatsprüfung.

Seine Berufstätigkeit begann als juristischer Assistent bei der g/a/b-GmbH und weiter als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Kanzlei, beides in Lübeck. Danach absolvierte er das Referendariat mit Stationen bei der Staatsanwaltschaft Kiel, der Zivilrechtsstation in Bad Segeberg, der Verwaltung der Hansestadt Lübeck, einer Kanzlei in Lübeck und im Justitiariat der Unabhängigen Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien in Kiel. Den Abschluss des Referendariats bildete die Grosse Juristische Staatsprüfung.

Heute arbeitet Herr Kayman als selbständiger Rechtsanwalt in Lübeck.

Herr Kayman ist Mitglied des St. Petri-Kuratoriums in Lübeck, weiterhin arbeitet er als ehrenamtliches Redaktionsmitglied des Lübecker Straßenmagazins "Bessere Zeiten" und als Referent für die Verwaltungsfachhochschule Altenholz zu interkulturellen und interreligiösen Themen sowie für die Volkshochschule Lübeck zum Thema "Islam".

"Kein Mensch darf sich eine göttliche Autorität anmaßen."

Murat Kayman

Murat Kayman, ein deutscher Rechtsanwalt türkischer Herkunft aus Lübeck, bezeichnet sich keinesfalls als Religionswissenschaftler und möchte nicht für, sondern über den Islam reden.
Er repräsentiere nichts, stehe alleine nur für seinen Glauben, wobei es problematisch sei, bei hohem persönlichem Engagement über seine Religion zu reden, zumal sehr häufig ein Islambild in unserer Gesellschaft vermittelt werde, das den Dialog so schwierig mache.
Durch seinen Glauben oder seine Religionszugehörigkeit werde ein Mensch nicht grundsätzlich wertvoller, vielmehr konstatiert Herr Kayman gleich zu Beginn seinen Willen, sich sehr offen und auch kritisch über das Thema ISLAM mit den Schülerinnen und Schülern unterhalten zu wollen.
In Rückbesinnung auf den Titel der "Forum-EPS"-Veranstaltungsreihe "Wertewandel in unserer Gesellschaft", stellt der Referent klar, dass alleine bereits die Tatsache einer Zugehörigkeit zu einer Religion bereits eine strikte Ablehnung von Werteverfall bedeute.
Das oberste Gebot des Islam offenbare sich gleich zu Beginn des Koran durch den Imperativ "LIES", das erste offenbarte Gebot, welches jedoch am wenigsten beachtet werde in den bildungsarmen Gesellschaften der islamischen Welt. Dabei fordere das "Lesen" viel mehr als nur das einfache "Betrachten", indem es als intellektuelle Leistung zu sehen sei, nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen.
In seiner Übersetzung des Wortes "Islam" erwähnt Herr Kayman im Besonderen die Hingabe in den Willen Gottes, also die Gotteszuwendung durch den gläubigen Moslem, die sich sowohl in der individuellen Glückfindung eines jeden Einzelnen, als auch im Finden von Frieden, Wohlbefinden und Glück in der Gemeinschaft abspielten, worin zugleich auch die beiden größten Säulen islamischen Glaubens zu sehen seien. Dabei wende sich der von Gott geschaffene muslimische Mensch unmittelbar mit seinem Angesicht Gott zu, welches die Aufforderung "LIES" zu Beginn des Koran ausdrücken wolle.
Das Streben des Gläubigen nach Wohlbefinden, Glück und Zufriedenheit nach Innen und nach Außen bedeute eine hohe Verantwortung im täglichen Leben.

Nach einer äußerst informativen und sehr engagiert vorgetragenen Einweisung in einige Grundzüge des Islam ermunterte Herr Kayman seine jungen Zuhörerinnen und Zuhörer, weitere Fragen zu stellen, welche durchaus auch sehr kritisch gemeint sein sollten. So kam eine lebhafte Diskussion in Gang, in der über Fasten, Beten, Verhüllung, Kopfbedeckung, Ehrbegriff, Zwangsverheiratung, Dschihad… gesprochen wurde, jedoch im Verlauf vor allem den Missbrauch islamischer Inhalte für politische Ziele beinhaltete und viele Vorurteile relativiert haben dürfte. Der Extremismus sei ein politisches Problem, man benötige keinen Sprengstoffgürtel, um seine Religion auszuleben: "Wenn man sich verstandesmäßig mit seiner Religion beschäftigt, verhält man sich nicht so. Dies setzt jedoch Bildung voraus", stellt Herr Kayman zusammenfassend fest. Bei der Bildung sei jedoch zu bedenken, dass sie kein Wert sei, der nur Positives hervorbringe. Schließlich könne man damit auch Atombomben bauen und daher benötige Bildung immer auch einen Werterahmen, ein ethisch-moralisches Gesicht, habe also immer mehrere Perspektiven, die alle beachtet werden sollten.

Sehr nachdenklich machte auch eine kleine persönliche Familiengeschichte des Referenten gegen Ende der Veranstaltung, welche auch gleichzeitig die 40-jährige Geschichte türkischer Gastarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland eindrucksvoll und einfühlsam aus deren Perspektive widerspiegelte.

Lübeck, 8. März 2007

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