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WOLFGANG THIERSE

Präsident des Deutschen Bundestages

Wolfgang Thierse, geboren 1943 in Breslau. Nach dem Abitur folgten Lehre und Arbeit als Schriftsetzer in Weimar. Es schloss sich ein Studium der Kulturwissenschaft und Germanistik an der Humboldt-Universität in Berlin mit dem Abschluss als Diplom-Kulturwissenschaftler an. Sieben Jahre war er als wissenschaftlicher Assistent im Bereich Kulturtheorie/Ästhetik an der Humboldt-Universität beschäftigt, danach Mitarbeiter im Ministerium für Kultur der DDR mit nachfolgender Entlassung im Zusammenhang mit der Biermann-Affäre. Eine Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralinstitut für Literaturgeschichte an der Akademie der Wissenschaft der DDR folgte. Das Neue Forum weckte mit der Eintrittsunterschrift das Interesse, dem 1990 der Eintritt in die neugegründete SPD der DDR folgte. Auf dem Vereinigungsparteitag der SPD Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitzenden. In der Volkskammer der Noch-DDR erst stellvertretender, dann Fraktionsvorsitzender. Ab 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages mit Wahlkreis Berlin-Pankow. In der SPD stellvertretender Vorsitzender, wie auch in der SPD-Fraktion im Bundestag. Seit 1998 Präsident des Deutschen Bundestages.

Weiterhin u. a. Vorsitzender der Grundwertekommission beim SPD-Parteivorstand, des Kulturforums der Sozialdemokratie, des Kuratoriums der Willy-Brandt-Stiftung, des Kuratoriums der Stiftung Denkmal für ermordete Juden Europas und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken.

WERBEN FÜR DEMOKRATIE

Wolfgang Thierse

Mit der Diskussion begeistert der Bundestagspräsident die Schülerinnen und Schüler das Fachgymnasiums der G III. Er spricht über die parlamentarische Arbeit im Bundestag, den Sitzungsablauf von Plenardebatten und die Arbeit der Bundestagsabgeordneten. Weitere Themen sind der militärische Einsatz in Afghanistan als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September, die Regelungen zur Zuwanderung, die inzwischen im Zuwanderungsgesetz seit dem 1. Januar dieses Jahres gelten, und die Gefahr des Rechtsextremismus für die Demokratie. Wolfgang Thierse spricht mit den Schülerinnen und Schülern auch über das System der sozialen Marktwirtschaft: Marktwirtschaft an sich, ohne soziale Steuerungen durch den Staat, sei nicht gerecht, schaffe aus sich heraus keine soziale Gerechtigkeit. Thierse erklärt, dass für ihn gesellschaftliche Werte wie Solidarität, Toleranz und Gerechtigkeit unverzichtbar seien.

Den Rechtsextremismus sieht Thierse als eine Gefahr für die Demokratie an, denn Neonazis hingen einer Ideologie von der Ungleichwertigkeit des Menschen an. Vor allem auf junge Leute hätten es Rechtsextreme abgesehen. Diese würden um sie werben auf Schulhöfen oder Skinhead-Konzerten. Thierse warnt davor, das Problem zu verharmlosen oder zu beschönigen und unterstützt jede Form demokratischen Engagements gegen rechtsextreme Tendenzen.

Sogar zum Fernsehkonsum äußert er sich: die Gesellschaft habe sich (leider kritiklos) an brutale Szenen im Programm gewöhnt. Zudem werde in Medien viel zu häufig fast hysterisch über aktuelle Themen berichtet, es bleibe kaum Zeit für eine besonnene und ausführliche Berichterstattung. Mit pauschalen Urteilen vor allem über "die" Politiker sei man da sehr schnell bei der Hand.

Auch über weit verbreitete Vorurteile über "die" Jugend spricht der Bundestagspräsident ausführlich. Allerdings, so bemerkt er, sei sie gezwungen, sich der Etikette der Mode und des Wohlstandes zu unterwerfen. Damit einhergehend würden Jugendliche eine gewisse Oberflächlichkeit auch im Umgang mit unverzichtbaren Werten entwickeln. Nicht alles, was die Altvorderen erfunden und praktiziert hätten, sei verdammungswürdig nach dem Motto "Alte Zöpfe müssen weg", erklärt Thierse zum Ende der Diskussion.

Lübeck, 27. März 2002

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