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Auf zu neuen Ufern an die Ilmenau

Lehrerausbildung schulinterne Netzwerktage 25.11.2017

Am 06.11. sind unsere Referendare (LiVs) gemeinsam mit einem Teil des Ausbildungsteams an die Georg-Sonnin-Schule nach Lüneburg gefahren. Die Georg-Sonnin-Schule ist eine gewerblich-technische Berufsschule mit einem sehr ähnlichen Profil wie dem der Emil-Possehl-Schule. Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, in den direkten Austausch mit einer vergleichbaren Schule zu treten, um neue Impulse für unsere Arbeit zu bekommen.

Empfangen wurden wir bei bestem Wetter von der Schulleitung Hermann Rollwage (Schulleiter) und Reiner Peters (stellvertretender Schulleiter). Bei der Vorstellung der Georg-Sonnin-Schule und den angebotenen Schulformen und Bildungsgängen zeigten die Beruflichen Schulen des Landes Niedersachsen und Schleswig-Holstein viele Gemeinsamkeiten, jedoch auch grundsätzliche Unterschiede, die für uns besonders interessant waren. In dem weiteren Text wurden die originalen Bezeichnungen des Landes Niedersachsen verwendet.

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, gibt es in Niedersachsen eine einjährige Berufsfachschule, die als erstes Ausbildungsjahr anerkannt werden „kann“, jedoch keinem allgemeinbildenden Abschluss beinhaltet. Es wird zwar ein zweites Jahr angeboten, welches zum Realschulabschluss führt, jedoch kaum genutzt wird. Zudem existiert die BFS3, mit der Möglichkeit zur Fachhochschulreife, in Niedersachsen nicht. Deutlich wurde in dem Gespräch, dass die allgemeinbildenden Abschlüsse, mit Ausnahme des BGs, nicht im primären Fokus der Georg-Sonnin-Schule stehen, sondern nach Aussage von Hermann Rollwage das „Kerngeschäft“ das Duale System sei.

Eine weitere Besonderheit in Niedersachsen ist der Einsatz von gezielten Modellprojekten an ausgewählten Schulen. An der Lüneburger Berufsschule werden aktuell zwei Modellprojekte durchgeführt. Bei unserem Besuch hatten wir die Gelegenheit mit den Beteiligten interessante Gespräche zu führen.

Aufmerksam gemacht durch den Vortrag von Prof. Dr. Mathias von Saldern zum Schuljahresbeginn, hatte die Reisegemeinschaft der EPS am ersten Tag der Fortbildungsfahrt nach Lüneburg die Gelegenheit, Einsicht in den Modellversuch „TIM“ zur Inklusion und Teilhabe der GSS zu gewinnen.

Der Grundgedanke des Vorhabens ist es, Menschen mit Förderbedarf zu ermöglichen, am Schulgeschehen und am Unterricht der GSS teilhaben zu lassen. Die Jugendlichen sollen auf dem Weg ihrer Lebensbiografie - im Übergang von der Förderschule zu einem selbstständigeren Leben - Erfahrungen sammeln, die sie in ihrem Selbstverständnis und ihrer Selbstsicherheit bestärken.

Realisiert werden können  Fördermaßnahmen nur durch eine enge Kooperation  mit der Schule am Knieberg, der Förderschule, die im Regelfall mit der Betreuung befasst ist. Dabei ist ein wichtiger Punkt die ständige Zusammenarbeit, bei der neben Dokumentation und Bewertung der betroffenen Jugendlichen vor allem die Erfahrungen der Jugendlichen gemeinsam mit dem Kollegium der GSS geplant werden.

Alle Jugendlichen werden individuell betrachtet, Maßnahmen und Rahmen-bedingungen werden geschaffen, um Teilhabe am Unterricht  zu ermöglichen, Chancen und Risiken werden abgewogen, ob z.B. Maschinen bedient werden können. Die Jugendlichen zeigen dabei viele lebenserleichternde Entwicklungen. Es findet keine Selektion nach Schwere der Beeinträchtigung statt, es gilt                

ALLE ODER KEINER!

 

Das große Ziel ist es, allen  Menschen an der Schule das gemeinsame Lernen voneinander zu ermöglichen. Es findet eine beidseitige Sensibilisierung statt. Durch den persönlichen  Einsatz von Lehrkräften wie dem Inklusionsbeauftragten Stefan Dößerich und den finanziellen Mehraufwand der Schule für die Bereitstellung von Infrastruktur und Zeitressourcen und trotz großer Bedenken seitens der Eltern, Betreuer und Lehrkräfte, weist die Initiative des stellvertretenden Schulleiters Hr. Peters die Teilhabe durch das Projekt TIM als einen großen Gewinn für das Schulleben aus.

Im Anschluss an den Besuch der Georg-Sonnin-Schule rundete eine eineinhalbstündige Stadtführung zum Thema „Lüneburg gestern und heute“ und die Auswertung des ersten Tages beim Abendessen im Mälzer Brau- und Tafelhaus den ersten Tag ab.

Am zweiten Tag hatten wir mit Thomas Meier (Abteilungsleitung Metalltechnik) ein Gespräch über das Modellprojekt Industrie 4.0/Arbeit 4.0 geführt. Hierbei handelt es sich um ein weiteres Projekt, dass über das Land gefördert und gemeinsam mit der anliegenden kaufmännischen Berufsschule umgesetzt wird. Hierfür erhielt die Schule vom Land Niedersachsen (Wirtschafts- und Kultusministerium) ein Budget von 250.000€ sowie weitere 300.000€ vom Landkreis, um vor allem die technische Ausrüstung bezahlen zu können. 50.000€ gingen davon an die Partnerschule.

Industrie 4.0 ist in aller Munde und umfasst nach der Industrie 3.0 (Automatisierung von Prozessen), die Verzahnung der Informations- und Kommunikationstechnik mit der industriellen Produktion.

Während Industrie 4.0 schwerpunktmäßig die Prozesse definiert, soll in diesem Modellversuch mehrperspektivisch die Arbeit 4.0 nach dem „Berliner Modell“ betrachtet werden. Das Berliner Modell beinhaltet:

·         Grundlagen der Digitalisierung

·         Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt

·         IKT-Kompetenz

·         Umgang mit Daten

·         Systeme und Prozesse

An den Berufsschulen wird in den nächsten fünf Jahren eine exemplarische „Smart Factory“ aufgebaut. Wie kann man sich das vorstellen? Die kaufmännische Partnerschule übernimmt die Bereiche Einkauf/Verkauf/Logistik. Eingesetzt wird hierbei ein angepasstes SAP-System. Die technisch-gewerbliche Berufsschule übernimmt die Bereiche der Fertigung. Es handelt sich um Module aus der Festo Didaktik Reihe. Die individualisierte Fertigung wird der Einfachheit halber über einen 3D Drucker erreicht. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch in der Umsetzung von Industrie 4.0. Es müssen also alle Bereiche sinnvoll über unterschiedlichste Kommunikationswege verbunden werden ohne die Datensicherheit zu gefährden. Damit können direkt nach Eingang der Bestellung der Einkauf, die Logistik und die Produktionsprozesse gesteuert werden. Dazu zählen auch die weiteren kooperierenden Berufsschulen in Niedersachsen, wie z.B. in Wolfsburg, die ebenfalls an dem Projekt teilnehmen und deren Fertigungsanlagen weitere Teile für das Gesamtprodukt fertigstellen sollen. Insgesamt ist das Projekt über sechs Standorte verteilt.

Über die technischen Aspekte hinaus, entwickeln die Lehrkräfte Lehr-/Lernszenarien für die Arbeit 4.0, um die Schülerinnen und Schüler für die Zukunft zu qualifizieren. Dieses ist zudem ein wichtiger Teil im Abschlussbericht des Projekts. Das Projekt soll dabei vornehmlich in den Ausbildungsberufen Elektroniker für Betriebstechnik, Elektroniker für Geräte und Systeme und Mechatroniker an der Georg-Sonnin-Schule genutzt werden, sowie für Industrie- und IT-Kaufleute an der kaufmännischen Partnerschule und in der Fachoberschule Informatik ebenfalls an dieser.

 

Insgesamt können wir gemeinsam auf zwei interessante Tag in der schönen Stadt Lüneburg zurückblicken –

„Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurücklässt, ist bleibend“ (J. W. von Goethe)

Unterlagen zum Schulversuch TIM „Teilhabe und Inklusion an Berufsbildenden Schulen“ sowie zum Projekt Digitalisierung/Industrie 4.0 sind unter epsintern/Lehrerausbildung/Schulen lernen von Schulen/Georg-Sonnin-Schule Lüneburg abgelegt.

 

Text und Bilder: Kollegen des Ausbildungsteams unter der Federführung von Björn Beuthien, Ole Deutschmann, Andre´ Sadowsky und Petja Steinhauer.

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