Die obere Beckergrube in Lübeck: Wenn Geschichte auf Zukunft trifft

Die obere Beckergrube in Lübeck: Wenn Geschichte auf Zukunft trifft

Ein Bericht von der spannenden Exkursion der BAZ24 hinter die Kulissen der Lübecker Stadtplanung

Expertise für urbane Transformation: von der Bauzeichnerin zur Stadtplanerin
Am 31. August durften wir – eine Klasse angehender Bauzeichnender kurz: BAZ24 – einen besonderen Einblick in die Zukunft Lübecks bekommen. Geführt von Dr. Julia Lindfeld, promovierte Stadtplanerin und Expertin für urbane Transformation, erkundeten wir die obere Beckergrube, eine Baustelle, auf der nicht nur Steine bewegt werden, sondern Geschichte erlebbar wird.

Frau Dr. Lindfeld kennt sich aus: Sie begann ihre Karriere als Bauzeichnerin und weiß daher genau, worauf es ankommt – von der ersten Linie auf dem Plan bis zum letzten Pflasterklinker. Ihr Werdegang zeigt: zeitgenössische Stadtplanung ist richtig interessant und stellt eine Mischung aus Handwerk, Geschichte sowie Visionen und kreativem Denken dar. Genau das machte diese Exkursion so spannend!

Archäologie unter dem Pflaster Lübecks vielschichtiges Stadtgedächtnis

Bevor die Beckergrube neugestaltet werden konnte, mussten zunächst die historischen Schichten darunter freigelegt werden. Unter der Oberfläche finden sich Spuren aus dem Mittelalter, Fundamentreste verschiedener Epochen und deutliche Zeichen der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Diese historischen Mauern begrenzen zukünftig den Wurzelbereich der neuen Klimabäume.

Die Ausstellung in den Schaufenstern der Possehl-Unternehmensgruppe veranschaulicht dies eindrucksvoll. Sie zeigt, wie die Vergangenheit nicht überbaut, sondern bewusst berücksichtigt wird. Das ist ein zentraler Bestandteil einer resilienten Stadtentwicklung: Wer die Geschichte kennt, kann verantwortungsvoll für die Zukunft planen.

„überMORGEN“ – Die Beckergrube als Modellraum für die Zukunft
Das Landschaftsarchitekturbüro 1:1 Landskab ApS, Valby aus Dänemark hat den ausgelobten Wettbewerb gewonnen – weil es in seiner Planung offenbar genau diese Mischung aus Funktionalität, Ästhetik und Nachhaltigkeit überzeugend umsetzt habt.

Das Leitmotiv der Neugestaltung des Siegerentwurfs für die Beckergrube lautet: „1 Belag – 100 Bäume – 1.000 Erlebnisse“. Dieser Slogan – ist ein konkretes Konzept, das die Beckergrube zum Vorbild für ganz Lübeck und darüber hinaus machen soll.

  • Mobilitätswende: Weniger Autos, mehr Platz für Menschen! Die Planenden setzen auf Testphasen, z. B. wurde ein Jahr lang der Verkehr umgestellt und evaluiert, was funktioniert.
  • Klimakonzept: Durch durchgehende „Belagsteppiche“ 100 schattenspendende sturm- und hitzeresistente Bäume sowie ein innovatives Regenwasserrückhalte- und Bewässerungssystem sollen die Beckergrube nicht nur schöner, sondern auch klimafreundlicher werden.
  • Kultur und Begegnung: Die neue Fläche soll ein Ort sein, an dem man sich trifft – ob beim Spazieren, beim Kaffee oder bei Veranstaltungen, sogar mit Tanzfläche.

Teamarbeit als Schlüssel – Stadtplanung ist ein Gemeinschaftsprojekt

Stadtplanung ist kein Solo-Projekt. Frau Dr. Lindfeld betonte, wie wichtig die Abstimmung zwischen Fachplanern, Behörden, Baufirmen und Stadtgesellschaft ist. Nur so entstehen Projekte, die wirklich funktionieren. Und das Schöne: Die Rückmeldungen der Lübeckerinnen und Lübecker fließen direkt ein – ein Beispiel für gelebte Partizipation!

Für uns als angehende Bauzeichnende wurde deutlich: Stadtplanung ist weit mehr als das Erstellen von Plänen. Sie bedeutet Geschichte zu bewahren, Zukunft zu gestalten und Gemeinschaft zu stärken – alles in einem.

Und was nehmen wir mit?

  • Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen: Ob archäologische Funde, klimafreundliche Materialien oder partizipative Planung – die Beckergrube zeigt, wie man vernetzt denkt.
  • Expertise zählt: Der berufliche Weg von Frau Dr. Lindfeld zeigt, wie wertvoll die Verbindung von praktischem Wissen und wissenschaftlicher Perspektive ist.
  • Zukunft planen heißt, Geschichte zu verstehen: Bevor wir bauen, graben wir erstmal – im historischen Stadtkern Lübecks im wahrsten Sinne.

Ausblick

Vielleicht steht auch unsere Schule irgendwann vor der Frage, wie man Räume neu denken kann: funktional, nachhaltig und einladend. Die Beckergrube zeigt, dass solche Projekte möglich sind – mit Mut, guter Planung und einem klaren Blick für das Zusammenspiel von Alt und Neu.

Wer die Beckergrube besucht, sollte sich die Ausstellung in den Schaufenstern ansehen. Sie lohnt sich – und vielleicht entdeckt man dabei die eigene Freude, sich an Stadtplanung zu beteiligen.

Fragen zum Weiterdenken:

  • Welche historischen Spuren findet ihr in eurer Stadt oder Nachbarschaft?
  • Wie stellt ihr euch einen „perfekten“ öffentlichen Raum vor?
  • Warum ist es wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger bei Planungen mitreden können?

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