Gemeinsam lernen, Unterricht weiterentwickeln:

Netzwerktag an der Emil-Possehl-Schule

 

Am 29. Oktober 2026 fand ein weiterer Netzwerktag des Schuljahres 2026/27 an der Emil-Possehl-Schule statt. Der Tag stand ganz im Zeichen des kollegialen Austauschs, der gemeinsamen Unterrichtsentwicklung und neuer Impulse für die eigene pädagogische Arbeit.

Unterricht gemeinsam erleben und reflektieren

Zu Beginn begrüßte Stefan Schuhr die Teilnehmenden und hob die besondere Zusammensetzung der Gruppe hervor. Neben den beiden Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (LiV) waren auch Lehrkräfte eingeladen, die das Fach Deutsch schon seit längerer Zeit als erfahrene Kolleginnen und Kollegen unterrichten, aber nicht an der Emil-Possehl-Schule ausgebildet wurden und somit mit dem Format der Netzwerktage bislang noch nicht vertraut waren. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen boten damit eine wertvolle Grundlage für einen vielseitigen Austausch.

Nach der Einführung in den Tagesablauf übernahm Levon Kilian die Moderation und leitete zur Unterrichtsvorbereitung von Clarissa Reuter über. Sie stellte ihre geplante Unterrichtsstunde engagiert und anschaulich vor, erläuterte die Lerngruppe sowie die fachlichen Inhalte und machte die angestrebten Lernziele transparent. Anschließend erhielten die Teilnehmenden gezielte Beobachtungsschwerpunkte für den Unterrichtsbesuch.

Die Lehrkräfte durften dann an einer Deutschstunde im Beruflichen Gymnasium zum Thema „Rezitationswettbewerb“ innerhalb der Unterrichtsreihe „Epochenumbruch um 1800“ teilnehmen.

Zum Einstieg sahen die Schülerinnen und Schüler ein Video, in dem ein KI-Avatar ein Gedicht von Joseph von Eichendorff monoton vortrug. Die Lernenden untersuchten anschließend die Schwächen des Vortrags zunächst individuell und trugen ihre Beobachtungen danach gemeinsam zusammen. Daraus entwickelten sie die zentrale Leitfrage der Stunde: Welche Elemente müssen beachtet werden, wenn man ein Gedicht rezitiert?

In der anschließenden Arbeitsphase beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Gestaltungsmöglichkeiten eines ausdrucksstarken Gedichtvortrags. Sie untersuchten, wie Betonung, Lautstärke, Sprechpausen, Sprechgeschwindigkeit und Intonation eingesetzt werden können, um die Stimmung und Aussage eines Gedichts zu vermitteln. Mithilfe von Sprechzeichen bereiteten sie eigene Vorträge vor und übten diese in Gruppenarbeit. Dabei gaben sie sich gegenseitig Rückmeldungen und unterstützten sich bei der Weiterentwicklung ihrer Vortragsweise.

Besonders lebendig wurde es, als die Gruppen ihre überzeugendsten Vorträge auswählten und einzelne Schülerinnen und Schüler das Gedicht präsentierten. Die Arbeitsphase verband fachliches Lernen mit Kreativität, gegenseitiger Unterstützung und sichtbarer Freude am gemeinsamen Arbeiten.

Zum Abschluss beantworteten die Lernenden die Leitfrage der Stunde. Dabei wurde deutlich, dass eine gelungene Rezitation weit mehr erfordert als das bloße Vorlesen eines Textes: Entscheidend sind das inhaltliche Verständnis des Gedichts sowie der bewusste Einsatz von Sprechgeschwindigkeit, Pausen, Tonlage, Betonung und Emotionen.

Gemeinsame Reflexion als Grundlage für Weiterentwicklung

Im Anschluss an den Unterrichtsbesuch zogen sich die Teilnehmenden gemeinsam mit den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst zur Unterrichtsreflexion zurück. Anhand der acht Kriterien guten Unterrichts nach Dr. Thomas Riecke-Baulecke analysierten sie die beobachtete Stunde und diskutierten ihre Eindrücke. In einer anschließenden „Tipp-Top-Runde“ wurden die gewonnenen Erkenntnisse und konstruktiven Rückmeldungen zusammengetragen. Dabei standen sowohl gelungene Aspekte der Unterrichtsgestaltung als auch Ideen für denkbare Entwicklungsschwerpunkte im Mittelpunkt. Der offene und wertschätzende Austausch bot Clarissa Reuter die Möglichkeit, neue Perspektiven für ihren Unterricht zu gewinnen und Impulse für die eigene pädagogische Weiterentwicklung mitzunehmen.

Stefan Schuhr und Herr Kilian beendeten das Vormittagsprogramm mit einem Dank an alle Beteiligten für ihre engagierte Mitarbeit, die konstruktiven Rückmeldungen und die lernförderliche Atmosphäre.

Wertvolle Impulse auch durch das Nachmittagsprogramm

Am Nachmittag wurde das Programm mit einem Yoga-Schnupperkurs fortgesetzt. Anja Döring und Franziska Baumgarten ermöglichten den Teilnehmenden dabei einen Einblick in Yoga als Möglichkeit, Bewegung, Entspannung und einen bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen in den Schulalltag zu integrieren.

Bereits zu Beginn wurden alle Teilnehmenden durch angenehme Düfte in ihrem Schulgebäude überrascht und in einen liebevoll vorbereiteten Seminarraum geleitet. Nach einer kurzen Einstimmung im Sitzen und einer Phase, bei der die Assoziationen zum Begriff Yoga gesammelt wurden, lernten die Teilnehmenden praxisnahe Übungen kennen. Dazu gehörten die Berghaltung (Tadasana) zur bewussten Aufrichtung sowie gezielte Mobilisationen für den strapazierten Schulter- und Nackenbereich. Dynamische Sequenzen wie die Stuhlhaltung (Utkatasana) und die Vorbeuge (Uttanasana) brachten spürbare Kraft und Flexibilität. Nach einer intensiven Vertiefung im Drehsitz (Ardha Matsyendrasana) und effektiven Atemübungen (Pranayama) rundete eine geführte Tiefenentspannung in der Totenhaltung (Shavasana) die Schnupperstunde ab. Zum Ausklang luden die Kursleiterinnen noch zu einem gemütlichen Austausch beim gemeinsamen Teetrinken ein.

Den Teilnehmenden hat die Nachmittagsveranstaltung, bei dem das Thema Lehrergesundheit im Fokus stand, hervorragend gefallen. Alle sind sich einig, dass Entspannungsangebote künftig regelmäßig für die Lehrkräfte an der Schule angeboten werden sollten.

Der Netzwerktag zeigte einmal mehr, wie gewinnbringend es ist, Unterricht gemeinsam zu beobachten, didaktische Entscheidungen gemeinsam zu analysieren und voneinander zu lernen. Die Verbindung aus fachlichem Austausch, wertschätzender Reflexion und neuen Impulsen für den Schulalltag machte den Tag zu einer bereichernden Erfahrung für alle Beteiligten.

Ein herzlicher Dank gilt Clarissa Reuter für den Einblick in ihren Unterricht sowie Anja Döring und Franziska Baumgarten für die Gestaltung des Nachmittagsprogramms.

Zurück